Chronik eines Familienunternehmens

Herbert Niebuhr
Gesellschafter-Geschäftsführer

Die Firma EMIL NIGGELOH blickte 1999 auf ihr 100jähriges Bestehen zurück.

Wir freuen uns, Ihnen aus Anlass unseres Jubiläums diese Chronik präsentieren zu können, die einen kleinen Einblick in die Firmengeschichte und den Werdegang unseres Familienunternehmens geben soll.

Bei unseren vielen langjährigen Kunden bedanken wir uns für das entgegengebrachte Vertrauen und die gute Zusammenarbeit, bei allen Geschäftspartnern und Freunden für ihre Unterstützung und Hilfe, vor allem in schwierigen Situationen.

Ein besonderer Dank gilt unseren Mitarbeitern, die durch ihren Einsatz mit zum Erfolg beigetragen haben, auf den wir mit Freude und Stolz blicken.

An der Schwelle zum nächsten Jahrtausend wünschen wir uns, dass Ihre Verbindung zu uns im zweiten Jahrhundert des ENI-Unternehmens so gut bleiben wird wie bisher.

Emil Niggeloh,
* 9. Februar 1874
Baupläne zur Errichtung der Fabrikhalle
Firmenansicht mit Wohnhaus um 1900
Briefbogen aus der Gründerzeit
Vermählung von Emil Niggeloh mit Berta Schilken
Tochter Helene mit ca. 2 Jahren
Belegschaft 1925

Die erste Generation - Gründerzeit

Emil Niggeloh wird 1874 als Sohn des Schreiners und Bauern Friedrich Wilhelm Niggeloh und seiner Frau Wilhelmine geboren. Er ist der Jüngste und hat mit Wilhelm, Eugenie und Pauline drei Geschwister. Sein Bruder Wilhelm übernimmt die Landwirtschaft, während Emil das Gymnasium in Barmen besucht und dort das sogenannte "Einjährige" als Abschluss erwirbt. Nach seiner Schulzeit absolviert er eine kaufmännische Lehre bei der Fa. Lohmann in Altenvoerde, um anschließend als "Einjährig-Freiwilliger" beim Kaiser-Franz-Josef-Grenadierregiment in Berlin zu dienen.

Nach seiner Militärzeit plant er zusammen mit seinem Stiefbruder August Kerkenberg den Bau einer Fabrikhalle auf seinem ererbten, am Linnenkamp gelegenen Grundstück, heute am Talsperrenweg in Ennepetal - Hasperbach.

August Kerkenberg und Emil Niggeloh gründen zum 1.11.1899 eine offene Handelsgesellschaft, die unter der Bezeichnung Kerkenberg & Niggeloh firmiert. Zeitgleich wird auf dem Grundstück ein Wohnhaus errichtet, das zunächst von der Familie Kerkenberg bewohnt wird. Nach der Fertigstellung der Firmenhalle werden die ersten Maschinen angeschafft und die Fertigung von Riemenschrauben und ähnlichen Artikeln kann beginnen.

Die Produktionspalette wird bald durch Bogenklammerschrauben, Innenklemmen für Fahrräder, Rad- und Schlossschrauben sowie Gitternieten erweitert.

Die Maschinen werden mittels Transmission von einer Dampfmaschine angetrieben. Die Heizung der Halle erfolgt mittels eiserner Öfen.

Bereits nach 4 Jahren, zum 31.12.1903, verläßt August Kerkenberg die Firma, um in Krevsöge bei Lennep einen eigenen Betrieb zu gründen. Emil Niggeloh führt die Gesellschaft alleine weiter, womit sich die Firmierung des Unternehmens in "Emil Niggeloh - Schraubenfabrik" ändert.

In den folgenden Jahren spricht man jedoch in der Region eigentlich nur von "Schruwen Emil's" Fabrik, wenn man die Firma Niggeloh meint.

Das Unternehmen kann sich erfolgreich am Markt behaupten und bereits 1908 wird die Fabrikationshalle erstmals erweitert.

Im gleichen Jahr vermählt sich Emil Niggeloh mit Berta Schilken aus Voerde. Bereits nach einem Jahr, am 14.06.1909, wird Tochter Helene geboren. Sohn Erich folgt fünf Jahre später, verstirbt jedoch bereits im ersten Lebensjahr.

Der erste Weltkrieg bricht herein und beschert Not und Elend.

Obwohl Emil Niggeloh aufgrund der Fertigung von kriegswichtigem Material nicht eingezogen wird, kann der Betrieb nur notdürftig aufrechterhalten werden, da die meisten Arbeiter einberufen werden. Nach dem Kriege kommen für die Firma schwere Zeiten der Rezession, die jedoch letztendlich überwunden werden können.

Im Laufe der Jahre wird sowohl die Fabrikationshalle als auch die Belegschaft erweitert, was aus noch vorhandenen Lohnbüchern hervorgeht. Im Jahre 1936 wird das erste Auto, ein Opel Olympia, angeschafft.

Friedrich Niebuhr, genannt Fritz * 23. Dezember 1905
Familie Niebuhr mit Kindern v.l.n.r. Herbert, Fritz, Irmgard, Helene und Friedrich
Firma Niggeloh, Ende der 50er Jahre
Firmenausflug Anfang der 40er Jahre zur Hohensyburg

Die zweite Generation - Das Erreichte bewahren

Im Jahre 1939 kommt der Name Niebuhr ins Spiel, als Helene Niggeloh am 04.06.1939 Friedrich Niebuhr aus Milspe heiratet, der ausschließlich Fritz genannt wird. Aus der Ehe gehen die Söhne Friedrich *6.4.1940 und Herbert *1.4.1943 sowie die Tochter Irmgard *17.5.1951 hervor.

Fritz Niebuhr tritt am 15.08.1939 als Angestellter in die Firma Niggeloh ein und unterstützt seinen Schwiegervater Emil in den Zeiten des zweiten Weltkrieges. Als Emil Niggeloh 1944 stirbt, führt Fritz Niebuhr die Geschäfte weiter, während seine Schwiegermutter Berta Niggeloh zunächst alleinige Gesellschafterin bleibt.

Trotz der Wirren der Nachkriegszeit kann das Unternehmen weitergeführt werden, wenn auch an eine geregelte Produktion nicht zu denken ist. Zugute kommen Fritz Niebuhr in dieser Zeit seine Englischkenntnisse, so dass er von der englischen Besatzungsmacht als Dolmetscher und Verbindungsmann herangezogen wird und manche Streitigkeit zwischen Besatzern und Zivilbevölkerung schlichten kann.

Zum 01.04.1948 wird das Unternehmen als "Emil Niggeloh oHG" in das Handelsregister eingetragen und Fritz Niebuhr wird alleiniger Gesellschafter, während die Witwe Berta Niggeloh aus der Gesellschaft ausscheidet.

Die Firma wird 1953 durch den Bau eines Bürohauses erweitert und im Jahre 1959 wird die benachbarte Firma Frielinghaus & Ries nach deren Konkurs ersteigert. Die Bakelit - Produktion von Aschenbechern, Bremsbelägen u.ä. wird nur kurze Zeit fortgeführt. Schon bald zieht die mechanische Bearbeitung in die neu erworbenen Hallen um, während die Presserei weiterhin im Gründungsgebäude verbleibt. Obwohl auch in den 50er und 60er Jahren schwere Phasen und finanzielle Engpässe durchzustehen sind, schafft es Fritz Niebuhr, die Firma aufrechtzuerhalten.

Neben der Leitung des Betriebes bekleidet Fritz Niebuhr viele Ehrenämter. So wird er Presbyter und übt viele Jahre das Amt des Kirchmeisters der evangelischen Kirchengemeinde Voerde aus.

Er ist jahrelang CDU-Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt Ennepetal und außerdem im Sparkassenrat tätig. Zeitlebens setzt er sich für die Belange der evangelischen Kirche, des Knabenheims Lohernocken und des Reichenbach-Gymnasiums ein.

Belegschaft 1971, in der Mitte sitzend Fritz Niebuhr, daneben stehend Herbert Niebuhr
Emil Niggeloh KG 1975 vor dem Firmenneubau
Bausbschnitt 1 vom Talsperrenweg aus
Ansicht von der Hagener Straße
Ansicht des Bürotraktes nach dem Brand
Die Feuerwehr im Einsatz
Eingang zur Halle nach dem Brand
Anlieferung der neuen Öfen nach dem Wiederaufbau
Sortiment hergestellter Spezialschrauben

Die dritte Generation - Aufbruch zu neuen Ufern

Die drei Kinder von Helene und Fritz Niebuhr wachsen heran. Nach dem Abitur entscheiden sich Friedrich und Irmgard für ein Lehramtsstudium während Sohn Herbert zunächst zur Ableistung des Wehrdienstes eingezogen wird. Danach plant er ein Maschinenbaustudium, um später in den Betrieb einzutreten. Durch eine plötzliche Erkrankung seines Vaters Fritz müssen jedoch alle Pläne umgeworfen werden. Herbert Niebuhr wird dringend im Unternehmen benötigt und deshalb auf Antrag vorzeitig vom Wehrdienst entlassen.

Am 17.07.1965 tritt Herbert als Angestellter in das Unternehmen ein und heiratet am 16.09.1966 Adi Pohlmann.

Aus dieser Ehe gehen die Söhne Oliver *15.05.1969 und Andreas *19.05.1972 hervor. Ehefrau Adi tritt zum 01.01.1967 als Angestellte in die Firma ein. Zum 01.01.1971 wird die Gesellschaftsform in eine KG umgewandelt. Herbert Niebuhr wird wie sein Vater persönlich haftender Gesellschafter.

Unternehmerisches Engagement, technisches Know-How und stets eine glückliche Hand für die richtigen Entscheidungen verhelfen dem Unternehmen in den 70er und 80er Jahren zu einem gewaltigen Aufschwung.

Herbert Niebuhr und seine Frau teilen sich die Aufgabenbereiche. Während Herbert die technische und kaufmännische Leitung obliegt, kümmert sich Ehefrau Adi um die Finanz- und Lohnbuchhaltung, das Personalwesen und aufgrund ihrer Sprachkenntnisse um den Kontakt sowie die Betreuung ausländischer Kunden.

Das Unternehmen wächst in dieser Zeit stetig. 1975 wird die Härterei Kraft in Schwelm erworben, um die Wärmebehandlung der immer hochwertigeren Verbindungselemente in Eigenregie durchführen zu können. Ebenfalls 1975 wird der erste Computer für Personal- und Finanzbuchhaltung angeschafft. Es handelt sich um einen Kienzle Magnetstreifen-Buchungsautomaten EFAS 2000 mit 4 KB Hauptspeicher.

1976 beginnt die Planung eines kompletten Firmen-Neubaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Schnell sind die notwendigen Entscheidungen getroffen, das Grundstück von rund 7600 m² gekauft und der erste Spatenstich am 08.10.1976 vollzogen. Bereits im Jahre 1977 sind zwei Bauabschnitte fertiggestellt und die mechanische Bearbeitung sowie die Vergüterei können in die neuen Hallen umziehen.

1978 folgt die Verwaltung und 1979 beginnt der letzte Bauabschnitt. Als am 25.10.1980 die Einweihungsfeier stattfindet, sind auch Materiallager und Presserei an einem Standort vereint. Das Gründungsgebäude wird fortan als Lager genutzt, alle anderen Hallen und das Bürohaus werden vermietet. Im Jahre 1981 werden für eine eventuelle spätere Firmenerweiterung und den Bau eines Wohnhauses weitere 4300 m² Grund von der Stadt Ennepetal gekauft.

Das Unternehmen floriert Mitte der 80er Jahre, als am 06.04.1984 ein Großbrand ENI zurückwirft. In der Vergüterei läuft überkochendes Öl des Härtebeckens in den Kettenkasten des Härteofens. Innerhalb von Sekunden steht dieser in Flammen. Der Brand breitet sich schnell über die Dämmaterialien der Decke aus. Die Vergüterei und das Fertigteillager sind komplett zerstört, die übrigen Abteilungen durch Ruß und Ablagerungen stark beeinträchtigt.

Die Produktion kann glücklicherweise, wenn auch unter erschwerten Bedingungen, weiterlaufen. Der gesamte Schaden beziffert sich auf rund 3 Mio. DM.

Gerne erinnern wir uns hier an Freunde, die uns in dieser schwierigen Zeit unterstützt und geholfen haben. Noch im gleichen Jahr werden die Schäden komplett beseitigt und die Produktion kann wieder in vollem Umfang aufgenommen werden.

Zum 26.11.1984 wird die Gesellschaftsform in eine GmbH Vertriebsgesellschaft und eine GmbH & Co. KG Besitzgesellschaft umgewandelt. Herbert Niebuhr wird alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer der GmbH. Fritz Niebuhr scheidet mit 79 Jahren aus der Firma aus, bleibt jedoch bis zu seinem Tode am 09.04.1987 Geschäftsführer. Seine Frau Helene stirbt 4 Jahre später.

In den Jahren 1985 und 1986 werden die ersten CNC gesteuerten Drehbänke angeschafft. Schnell stellt sich heraus, dass diese Entscheidung richtig ist und eine dauerhafte Konkurrenzfähigkeit mit hohem Qualitätsniveau sicherstellt. Da Normteile zunehmend nicht mehr zu Marktpreisen hergestellt werden können, verlagert sich die Produktion hin zu Sonder- und Spezialschrauben. Vorwiegend werden industrielle Endverbraucher beliefert; der Anteil an Handelskunden geht zurück. Um den stetig steigenden Qualitätsanforderungen zu genügen, werden Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre weitere große Investitionen getätigt. Anfang der 90er Jahre erlebt das Unternehmen stürmische aber auch sehr erfolgreiche Jahre.

Zertifizierung durch TÜVCERT
Oliver Niebuhr, * 15. Mai 1969
Herbert und Oliver Niebuhr vor dem Firmeneingang

Die vierte Generation - Mit neuen Ideen in die Zukunft

Die Söhne von Herbert und Adi Niebuhr gehen unterschiedliche Wege; während Andreas sich für ein Medizinstudium entscheidet, tritt Oliver zum 1.1.1995, schon während seines Maschinenbau-Studiums, als Angestellter in den Betrieb ein. In seinen Aufgabenbereich fällt zunächst der Ausbau des Qualitätsmanagementsystems nach DIN ISO 9002, der 1996 mit der Zertifizierung durch TÜVCERT abgeschlossen wird.

Inzwischen ist das Unternehmen erfolgreich rezertifiziert. Neben der Leitung des Qualitätswesens ist Oliver Niebuhr für die EDV zuständig und entwickelt hier eine maßgeschneiderte Datenbanklösung für das Unternehmen.

Im Jahre 1995 heiratet Oliver Niebuhr Kathrin Toetz und mit den Kindern Anne *06.10.1995 und Paul *24.08.1998 wächst jetzt die 5. Generation heran.

Trotz schwacher Konjunktur bei steigendem Kostendruck durch die Globalisierung der Märkte entschließt ENI sich mit dem Bestreben, in den Jahren 1998 und 1999 ein gewaltiges Investitionsvolumen umzusetzen, die Firma auch im zweiten Jahrhundert ihres Bestehens konkurrenzfähig zu halten und eine solide Basis für eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen.

Die Geschicke des ENI-Unternehmens wurden in die Verantwortlichkeit der nächsten Generation gelegt. Herbert Niebuhr übergab seinem Sohn Oliver zum 01.01.2000 den Betrieb, steht dem Unternehmen aber noch in der nun gemeinsamen Geschäftsführung beratend zur Verfügung.

Mit dieser Entscheidung erhält die 4. Generation die Möglichkeit, ihr volles Engagement in die Firma einzubringen und uneingeschränkt neue Konzepte sowie Ideen zu entwickeln und umzusetzen.